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Neue Technologien für den Stuckateur



03.08.2015

Die Fassade gibt dem Haus ein Gesicht. Optik ist schön – aber die Fassade der Zukunft wird technisch noch anspruchsvoller. Über anstehende neue Entwicklungen und Geschäftsfelder sprachen wir mit Dr. Roland Falk, dem Leiter des Kompetenzzentrums Ausbau und Fassade in Rutesheim.


Herr Dr. Falk, auf dem Bildungskongress der Stuckateure jetzt im April haben Sie Innovationen im Bereich Fassade vorgestellt. Was haben solche technischen Dinge mit Berufsbildung zu tun?

Das Kompetenzzentrum versteht sich als Innovationsbeschleuniger. Unsere Aufgabe ist es, dem Handwerk neue Technologien zu vermitteln und dort zu verankern. Dies gelingt zum einen durch Fort- und Weiterbildung. Zum anderen ist dies auch ein Thema in der Erstausbildung. Die künftigen Gesellen können so ihren Chefs von neuen Produkten und Verfahren berichten und Impulse in den Betrieb tragen. Wir suchen nach neuen Wegen, um Innovationen schneller und einfacher in das Handwerk zu transportieren. Das geht auch über das Personal.

Wie wird sich die Fassade weiterentwickeln?

Die Fassade wird künftig noch weitere Funktionen erhalten – und zwar beim Sammeln und Verteilen von Energie. Ein Beispiel dafür ist der solare Luftkollektor. Er ist in die Fassadendämmung integriert und über die Sonnenstrahlen wird darin die Luft erwärmt, die dem Gebäude zugeführt wird. Das Kompetenzzentrum arbeitet momentan an einem weiteren Fassadenprojekt. Dabei werden Kapillarmatten in den Armierungsputz eingelegt und verputzt. Nach außen unsichtbar kann so Energie gewonnen werden, die dann in einen Eisspeicher oder direkt in eine Wärmepumpe geleitet wird. Die technische Gebäudeausrüstung gewinnt heute an Bedeutung. Damit gibt es immer mehr Installationen auf den Fassaden. Während in südlichen Ländern diese offen und sichtbar liegen, werden sie in Deutschland in die Fassade versenkt und verschmelzen mit der Gebäudehülle. Damit müssen die klassischen Gewerke für die Gebäudehülle sich mit den anderen Gewerken abstimmen und können sogar die Schnittstellenkoordination übernehmen. Daraus ergeben sich eventuelle weitere Leistungen. '

Die Fassade ist ein Multitalent an Funktionen?

An der Fassade kann man sehr viel unterbringen. Ein großes Zukunftsthema ist die Beleuchtung. Die LEDTechnik mit ihrem sehr geringen Stromverbrauch macht das möglich. Licht lässt sich zur Fassadengestaltung, zur Werbung oder für eine Erhöhung der Sicherheit einsetzen. Ein anderes Beispiel: In einem Wärmedämm-Verbundsystem lassen sich auch Lautsprecher integrieren. Man kann damit den Garten beschallen – denken Sie daran, dass der Garten eines der beliebtesten Themen für Hausbesitzer ist. Die Technik könnte man auch zur Schallabsorption nutzen, indem Lärm neutralisiert wird. Ein Beispiel: Ein vorbeifahrendes Auto erzeugt eine Schallwelle. Ein Rechner produziert dazu eine Gegenwelle, die das Autogeräusch auslöscht. Im Automobilbau wird eine solche Technik schon heute genutzt. Im Bereich der Fassade ist das vielleicht noch Zukunftsmusik. Aber als Handwerker sollte man den Weitblick haben – auch fürs Kundengespräch.

Was raten Sie einem Stuckateur, damit er mit den neuen Entwicklungen Schritt halten kann?

Wichtig ist, sich auf dem Laufenden zu halten, zum Beispiel durch die Lektüre einer guten Fachzeitschrift wie ausbau + fassade, wo immer wieder neue Impulse gegeben werden. Unverzichtbar sind auch Schulungen oder Seminare sowie der Austausch mit den Kollegen oder mit Unternehmern anderer Branchen auf regionalen Netzwerktreffen. Mit geringem Zeitaufwand erhält man viele neue Impulse und kann sich auf Neues gut einstellen.

Wie bereit ist das Gewerk für Innovationen? Was bringt ein Stuckateur mit, wo ist Entwicklungsbedarf?

Ich glaube, dass das Stuckateurhandwerk für Innovationen sehr gut gerüstet ist. Es besitzt sehr viele Schnittstellen zu anderen Gewerken. Der Stuckateur macht sehr viele Anschlussdetails und kennt sich mit vielen Materialien aus. Durch die Putzverarbeitung besitzt der Stuckateur handwerkliche Fähigkeiten, mehr als manch anderes Gewerk. Sein handwerkliches Know-how kann er sehr gut mit Montagetätigkeiten verbinden. Er ist lange in einem Gebäude tätig – nach dem Rohbau bis zum Schluss. Er schließt Wände, Boden und Decke, nachdem die Anlagetechnik eingebaut wurde. Für kleinere Betriebe, bei denen der Chef noch auf die Baustelle kommt, eröffnen sich dadurch Geschäftsfelder, wenn er sich darauf spezialisiert und sich die notwendigen Kompetenzen aneignet. Wenn man »nur« WDVS oder Gipsputz anbietet, ist man vergleichbar und steht im harten Wettbewerb. Das bedeutet, der Stuckateur sollte sich möglichst früh mit Innovationen auseinandersetzen.


Interview: Paul Dolt
Quelle: www.stuck-verband.de
Bild: MEV Verlag GmbH